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Cabo de Gata - Níjar [Dem Mittelmeer zugewandt]
Fast ein letztes Stück Paradies an der spanischen Mittelmeerküste. Wunderschöne Strände, herbe Felsabstürze ins Meer, im Landesinneren Halbwüste, an der Küste kleine Dörfer. 1987 wurde das Gebiet gerade noch rechtzeitig zum Naturpark erklärt. Relativ wenige Unterkünfte. Die Spekulanten hatten schon die Messer gewetzt. Bis zum Beginn der Achtziger lag das Cabo de Gata praktisch am Ende der Welt. Kaum Strassen, die wenigen Bewohner nährten sich vom Fischfang oder schürften in Minen nach Erz. Dann, freier Raum am Mittelmeer wurde knapp, ersetzte langsam Asphalt die bisherigen Staubpisten. Von Almería schoben sich erste Urbanisationen vor. Gerettet hat das Gebiet damals wohl, dass es so weit abseits aller Fernstrassen liegt und dass die Erschliessung, auch wegen des offensichtlichen Wassermangels, recht teuer ausgefallen wäre. Dennoch rissen Gerüchte über eine riesige Apartmentstadt nicht ab und hätten sich vielleicht auch bewahrheitet, wenn es der Naturschutzbehörde nicht gelungen wäre, sich gegen die Interessen der Baumultis durchzusetzen. Gestattet ist das Bauen in dem 39.000 Hektar grossen Schutzgebiet nur mehr in den Ortsgrenzen der Siedlungen. In einer Reihe von Orten, allen voran San José, wird schnell augenfällig, dass auch dies besser hätte eingeschränkt werden sollen. Ein Teil der Bevölkerung ist da freilich anderer Ansicht: Viele Einheimische fühlen sich durch die Schutzgesetze, insbesondere durch den Baustopp, gegängelt und finanziell benachteiligt. Immerhin wurde eine Reihe von Arealen im Naturpark als besonders schützenswert ausgewiesen - wer hier gegen die Schutzbestimmungen verstösst, hat mit hohen Strafen zu rechnen. Und mit etwas Glück darf sich der Park vielleicht eines Tages mit einer hoch begehrten, äusserst prestigeträchtigen Auszeichnung schmücken: Eine Kandidatur für die Unesco-Liste des Weltnaturerbes ist im Gespräch. Der Parque Natural Cabo de Gata - Níjar stünde damit in einer Reihe z. B. mit den Galapagosinseln und dem Grand Canyon. Zum Biosphären-Reservat der Unesco wurde der Park bereits 1997 erklärt. Die rund 30 km lange Sierra de Cabo de Gata ist, man sieht es manchen Felsformationen der Küste deutlich an, vulkanischen Ursprungs. Sie bildet das grösste Vulkangebiet Spaniens. Die Vulkanausbrüche begannen vor etwa 15 Millionen und endeten vor etwa sieben Millionen Jahren. Vulkane waren es auch, die Metalle wie Blei und Silber aus tieferen Erdschichten nach oben drückten - bis vor einigen Jahrzehnten wurde in den Stollen um den Weiler Rodalquilar noch nach Eisenerz und sogar Gold geschürft. Seine höchste Höhe von knapp 500 Metern erreicht der Gebirgszug im Vulkankegel des Cerro del Fraile zwischen San José und Los Escullos. Von tiefen Trockentälern durchzogen, reichen die Ausläufer der Sierra bis an die Küste. Wo sie nicht steil ins Meer abstürzen, umrahmen sie Sandstrände, die zu den schönsten Spaniens zählen und ihren besonderen Schmuck durch bizarr verwitterte Kalksteinfelsen erhalten. Pflanzen gedeihen bei jährlichen Niederschlägen von durchschnittlich 130 Millimetern nur spärlich. Die Halbwüstenflora des Cabo de Gata besitzt starke Ähnlichkeiten mit den Pflanzengesellschaften der Sahara-Randzone. Auffallend in der graubraunen, nur nach den seltenen Sturzregen ergrünenden Steppe sind die aus Amerika eingeführten Feigenkakteen und Agaven, die mit ihren meterhohen Fruchtständen in ganzen Kolonien wachsen, ebenso die kaum bis zum Knie reichende Zwergpalme palma enana - diese einzige einheimische Palmenart Europas wird hier liebevoll auch palmito (Pälmchen) genannt. An Plätzen, an denen genügend Grundwasser vorhanden ist, finden sich Kolonien von Dattelpalmen, die die Illusion von Afrika perfekt machen. Unter den achtzig Vogelarten, die ständig oder zeitweilig hier leben, kann man in den Salinen beim Cabo de Gata auch Flamingos beobachten. Die ebenfalls geschützte, artenreiche Unterwasserwelt zeigt sich als ein Paradies für Schnorchler, ausgedehnte Bestände von Neptungras (Posidonia) überziehen den Boden. Eines Tages wird man am Cabo de Gata vielleicht auch wieder Mönchsrobben sehen können: Diese seit 1974 hier nicht mehr heimische Art soll im Rahmen eines Projektes wieder angesiedelt werden. Derzeit mangelt es allerdings noch an finanziellen Voraussetzungen für das ehrgeizige Unterfangen. Eine Bitte: Verhalten Sie sich rücksichtsvoll, das Gebiet wird schon genug belastet. Enduro- und Geländewagenfahrer sollten wissen, dass das Verlassen der Wege für Fahrzeuge verboten ist. An interessanten Pisten herrscht dafür kein Mangel.
Anreise: Eine Reise nach Almería ist von jedem Punkt Europas aus ein Kinderspiel. Der Flughafen, der über die Autobahn in nur wenigen Minuten von der Stadt aus zu erreichen ist, verbindet Almería mit den wichtigsten Städten Spaniens und Europas. Die Stadt Almería hat einen deutlich maritimen Charakter. In ihrem Hafen laufen Frachter und Kreuzschiffe aus den verschiedensten Ländern ein und zudem gibt es eine regelmässig verkehrende Linie nach Melilla und Nador an der nordafrikanischen Küste. Die Gegend ist auch über die Mittelmeerautobahn, die Autobahn A-92 Granada - Almería, und von Málaga aus über die Nationalstrasse N-340 bequem zu erreichen. Das Gebiet ist von einem umfangreichen Strassennetz durchzogen, das die Provinzhauptstadt mit den Orten im Norden und mit Níjar verbindet. Dazu kommen die Strassen und Wege im Inneren des Naturparks. Um diesen bedeutenden Naturraum zu erhalten, haben viele der Strände am Cabo de Gata - Níjar keine Zufahrtsmöglichkeiten mit dem Auto. Sie können zu Fuss oder per Fahrrad erreicht werden.
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